Was macht denn eigentlich eine Eule aus?

 

Von den weltweit 200 Eulenarten kommen 13 Arten in Europa vor, davon 9 in Deutschland als regelmäßige Brutvögel. Auch wenn man oft umgangssprachlich von Tag- und Nachtgreifvögeln spricht, sind Eulen und Greifvögel hinsichtlich der biologischen Systematik nicht miteinander verwandt, sie ähneln sich zwar durch krumme Schnäbel und starke Fänge mit spitzen Krallen, durch ihre Ernährungsweise und die Besiedelung gleicher Lebensräume, sind aber ansonsten sehr verschieden. Eulen zeigen innerhalb der Ordnung der Vögel eine Vielzahl von Merkmalen, die andere Arten nicht aufweisen. Mit dem großen runden Kopf und den ebenfalls großen, runden und nach vorne gerichteten Augen realisieren sie für viele Menschen ein Kindchenschema, das sie sympathisch erscheinen lässt. Andererseits aber sind sie den Menschen auf Grund ihrer schaurig erscheinenden Rufe und der nächtlichen Lebensweise unheimlich, weil die Lebensweise nicht auf den ersten Blick durchschaubar ist. So entwickelten sich abergläubische Mythen, die z.B. Käuzen nachsagten, durch ihre nächtlichen „Kuwitt“-Rufe Menschen vom Leben in den Tod zu locken, indem die Rufe fälschlicherweise als „Komm mit“ gedeutet wurden. Verstärkt wurde dies noch dadurch, dass z.B. Waldkäuze oder Waldohreulen oft ihre Tageseinstände oder Brutplätze in Koniferen oder alten Bäumen auf Friedhöfen suchen. Daher wurden Eulen auch bis in die Neuzeit verfolgt, ja sogar lebend an Scheunentore genagelt, um Haus und Hof vor Hexen, Krankheiten und Tod zu schützen.

 

Dieser Unsinn ist heute glücklicherweise überwunden und einem hohen Informationsbedürfnis in der Bevölkerung gewichen. Ein erstes gemeinsames Merkmal der Eulen ist die nächtliche Lebensweise, die mit einem hervorragenden Sehvermögen einhergeht. Im Laufe der Evolution der letzten 50 Mio Jahre – so alt sind die Eulen schon - waren die ersten Säuger, auf die die Eulen jagten, kleinwüchsig und nachtaktiv, ansonsten hätten sie sich gegen die urzeitlich dominierenden Reptilien nicht behaupten können. Logischerweise folgten die ersten Eulen ihrer Beute in die Dunkelheit und entwickelten einen ausgeklügelten Gesichtssinn und ein Supergehör, um zu überleben.

 

Sie können noch geringste Restlichtmengen zur Jagd nutzen und sehen entgegen landläufiger Meinung auch im hellen Tageslicht sehr gut. Ganz ohne Licht sehen sie allerdings auch nicht, hier setzen sie dann ihr hervorragendes Gehör ein, das auch feinste Geräusche wahrnimmt. Dabei leistet der Gesichtsschleier hervorragende Hilfe, dessen Federn alle Geräusche zielgerichtet an die großen, im seitlichen Kopfgefieder liegenden Ohren leitet. Diese Ohren sitzen auch höhenverschoben am Kopf und ermöglichen damit ein räumliches Hören. Mit modernen Messgeräten wurde festgestellt, dass z.B. das Geräusch einer laufenden Maus noch unter einer 20 cm dicken Schneedecke nicht nur gehört wird, sondern die Beute auch zielgerichtet lokalisiert und geschlagen werden kann! Da auch die Beutetiere regelmäßig über ein gutes Gehör verfügen, ist auch ein lautloser Flug zur erfolgreichen Jagd unumgänglich. Fatal wäre natürlich auch, wenn bei der nächtlichen Jagd mit Hilfe des Gehöres das Rauschen der eigenen Flügel direkt neben den Ohren die Jagd behindern würde. Dazu entwickelten die Eulen ein sehr weiches Gefieder und über dies einen kammförmig gezähnten Schwingensaum, der die Luft im Flug nicht zerschneidet, sondern geräuschlos umleitet und so einen unhörbaren Flug gewährleistet.

 

Sumpfohreulen

Waldohreule

Raufußkauz

Steinkauz

Uhu

Schneeeule