Zivilisationsgefahren

Unter diesem Oberbegriff möchten wir auf die Vielzahl von Gefahren für Wildtiere aufmerksam machen, die durch Menschen bewusst oder unbewusst gesetzt werden. Manchmal werden Verletzungen oder Tötungen billigend in Kauf genommen, argumentativ als "sozialadäquat hinnehmbar" oder "populationsbiologisch tolerierbar" dargestellt, allerdings gibt es auch viele Fälle, wo menschliche Unvernunft und Gedankenlosigkeit der auslösende Faktor ist. Im Laufe der letzten Jahre konnten wir eine Vielzahl solcher Fälle dokumentieren, die wir gerne ins Bewusstsein rücken möchten in der Hoffnung, einen bewussteren Umgang mit der heimischen Natur und den Wildtieren zu erreichen. 

Wir bitten um Verständnis, dass hier zur Dokumentation auch Handyfotos gezeigt werden, deren fotografische Qualität hin und wieder zu wünschen übrig lässt. Darüber hinaus sind auch durchaus drastische Siuationen abgebildet, die auf zart besaitete Gemüter abschreckend wirken können. Wer empfindlich auf solche Darstellungen reagiert, sollte hier das Lesen abbrechen und die weiteren Menuepunkte anschauen. 



Leitungen, Stacheldrähte und andere Zäune

Niemand wird behaupten, gerade seine Leitung oder sein Zaun wäre unnötig, schließlich muss man mit Hoch- oder Mittelspannungsmasten Strom transportieren, mit Stacheldraht Weidevieh daran hindern, die Wiese zu verlassen, mit Wildschutzzäunen Forstflanzen vor Verbiss sichern oder einfach sein Eigentum schützen. Den wenigsten Menschen wird dabei bewusst, dass sie damit den Luftraum verstellen und Gefahrenpotenziale vor allem für Großvogelarten setzen. Oft wird argumentiert, Leitungstrassen lägen in einer Höhe, die von Vögeln selten frequentiert werden oder Vögel verfügen über ein herorragendes Sehvermögen und könnten die Hindernisse gut erkennen. Die Realität allerdings sieht oftmals anders aus. Beim Wechsel zwischen z.B. Brut- und Nahrungsrevier werden Flughöhen erreicht, die auch die Höhe von Überlandleitungen erreichen, bei der Balz oder Nahrungssuche gilt die Aufmerksamkeit der Tiere dem Partner bzw. der Beute und Hindernisse im Luftraum werden schlicht übersehen. Vor allem die nachtaktiven Eulen orientieren sich bei der Jagd in der Regel nach akustischen Reizen und hörbar sind die Lufthindernisse für sie leider nicht.

Waldkauz im Stacheldraht: So haben wir den Waldkauz "Waldemar" von einer Tierarztpraxis übernommen:
Es konnte kein Pflegeplatz weit und breit für ihn gefunden werden, zumal durch die tiefen Gewebeverletzungen eine längere Pflegedauer bereits am Anfang erkennbar war.

Nach einigen Wochen:
Die Lausfliegen, die ihn komplett befallen hatten, haben wir abgesammelt.
Die Wunde gereinigt, Haut mit Salben dehnbar gehalten, Antibiotika, anfangs in kleinem, geschlossenem Raum, damit die Fliegen keine weiteren Eier in die Wunde legen können.
Berge von Ratten und Mäusen gekauft und so langsam ist er auf dem Weg Richtung Freiheit.

Weitere Stacheldrahtopfer der letzten Jahre: Mäusebussarde, Uhus, Waldohreulen und sogar ein junger Wanderfalke!

Auch andere Zäune, Gatter oder Tore stellen oft nicht nur Wanderhindernisse dar, sondern entpuppen sich als Todesfallen für Wildtiere: der abgebildete Stabgitterzaun wurde einem Wildkaninchen zur Todesfalle, hüftabwärts konnte es den Zaun nicht mehr passieren und verendete qualvoll. Werden Schafzäune nicht straff genug gespannt, können sich auch kräftige Tiere wie z.B. Rehe in diesen verfangen, auch hier droht ein langsamer Erschöpfungstod, wenn die Tiere nicht rechtzeitig gefunden werden. Tore mit zu engen Gitterabständen sind ebenfalls erhebliche Gefahrenquellen, das Reh hatte sich bei verzweifelten Befreiungsversuchen die Vorderläufe gebrochen und musste erlöst werden!

Überlandleitungen

in Form von Hoch- oder Mittelspannungstrassen setzen unterschiedliche Gefahren für Vögel, hier vor allem für Großvögel. Durch den verstellten Luftraum gibt es hohe Kollisionsrisiken durch diese offenbar für Vögel z.B. nachts oder bei Nebel schlecht sichtbaren Hindernisse. Als Kollisionsopfer mit Hochspannungsleitungen musste wir bereits Habicht, Uhus, Mäusebussarde und sogar einen Flamingo bergen. Eher heimtückischer Natur sind auch heute noch Mittelspannungsmasten, die immer noch nicht vogelsicher umgerüstet wurden. Vor allem Großvögel nutzen diese Masten als Ansitz zur Jagd (Greife und Eulen ) oder als Ruheplätze. Bei Berührung spannungsführender Teile der Masten können die Vögel aufgrund ihrer Größe leicht Erd- und Kurzschlüsse verursachen, die zu einem tödlichen Stromschlag führen. Allein in Deutschland wird der Bestand solcher Masten auf 350.000 geschätzt - mit dramatisch hohen Verlusten europäischer Vogelarten. Dabei sind längst technische Lösungen für eine vogelschutzkonforme Konstruktion neuer Masten und das Nachrüsten alter Masten entwickelt worden. Das Bundesnaturschutzgesetz hat bereits 2002 die Errichtung gefährlicher Masttypen strikt verboten. Es verlangt drüber hinaus von den Netzbetreibern die Umrüstung der alten Masten bis spätestens 2012. Allerdings verläuft die Umrüstung der gefährlichen Masten nur schleppend, oft unzureichend und manchmal werden sogar noch neu errichtete Masten nicht vogelsicher installiert. Hier fehlt ganz offensichtlich die behördliche Kontrolle der Netzbetreiber!

Der unten abgebildete Uhu wurde mit schwerer Kopfverletzung und zertrümmertem Flügel unter der abgebildeten Hochspannungsleitung geborgen, musste allerdings eingeschläfert werden, der Flügel des Flamingos hing nach einer Leitungskollision nur noch an einer Sehne. Der Flügel einschließlich der Muskeln war komplett durchtrennt und musste amputiert werden. Auch der abgebildete Wanderfalke überlebte den Leitungsanflug nicht.



Vogelabwehr

Auch wenn man es als Naturfreund oft nicht glauben mag, viele Menschen sind heutzutage nicht mehr bereit, ihren Lebensraum mit Vögeln zu teilen. Dazu sind im Handel die unterschiedlichsten Utensilien im Angebot, von spitzen Drahtauflagen, die die Vögel am Landen hindern sollen, über Schwalbenabwehrnetze bis hin zu klebrigen Chemikalien, an denen die einmal gelandeten Vögel meist qualvoll verenden. Der unten abgebildete Turmfalke wurde völlig verklebt unterhalb eines Mauervorsprunges gefunden, auf dem öfters Tauben nisteten. Hier wurde offensichtlich die so genannte "Taubenabwehrpaste" eingesetzt, allerdings klebt diese natürlich nicht selektiv, sondern zerstört das Gefieder eines jeden dort landenden Vogels. Durch ständige Putzversuche im Gefieder nehmen die Vögel anscheinend große Mengen dieser Paste auf und verenden qualvoll! Der Einsatz dieser Chemikalie ist übrigens verboten und gehört bei entsprechenden Feststellungen angezeigt!

Das Beseitigen von Nestern der koloniebrütenden Mehlschwalbe an Häusern zählt ebenfalls zu den oft zu beobachtenden Unarten. Die Kolonien zählen zu den gesetzlich geschützten Nist-, Brut-, Wohn- und Zufluchtstätten - auch im Winter, wenn die Vögel in Afrika sind - weil sie traditionell jahrelang genutzt werden. Sie dürfen nicht beseitigt werden, sind die Nester bebrütet, erfüllt die Beseitigung sogar einen Straftatbestand!



Rehe verenden im Matsch an der Wasserstelle

Wenn das Wasser in trockenen Sommern knapp wird, wird der schlammige Uferbereich von Gewässern oft zu einer tödlichen Falle für Tiere. In dem Rückhaltebecken an einer Autobahn verendeten die Rehe gleich reihenweise!



Jungvögel: Von Nestlingen, Ästlingen und Adoptionen...

In jeder Brut- und Aufzuchtperiode von Jungvögeln ereichen uns Massen von Anfragen und Meldungen bezüglich aus dem Nest gefallener Jungvögel, zum Einen natürlich sehr löblich, dass man sich Gedanken macht um ein gesundes Aufwachsen der Jungvögel, zum Anderen aber oft unnötig, weil ein Herumhüpfen und Flattern hinter den Altvögeln meist eine völlig normale Situation im Leben unserer Vogelwelt darstellt. Man unterteilt die Enwicklungsstadien in ein Nestlings- und ein Ästlingsstadium, wobei das erstgenannte den Zeitraum beschreibt, während dessen die Jungen noch fest im Nest sitzen. Während des Ästlingsstadiums verlassen Jungvögel das Nest und beginnen, am Brutplatz zu klettern und flattern den mit Futter ankommenden Altvögeln entgegen. Ein hervorragendes Training für das spätere Flugvermögen. Bei vielen Arten schließt sich daraufhin eine Bettelflugphase an, die Jungvögel fliegen bereits gut und begleiten die Altvögel bei der Nahrungssuche, schauen sich Fertgkeiten beim Beuteerwerb ab und werden trotzdem noch für einige Zeit gefüttert.

Oft werden Jungvögel im Ästlingsstadium von tierliebenden Menschen geborgen aus Angst, sie wären aus dem Nest gefallen und würden nicht mehr versorgt oder seien in Gefahr von Katzen erbeutet zu werden. Dies führt oft zu "Kindesentführungen" und die Jungvögel landen bestenfalls in einer Wildtierstation zur weiteren Aufzucht und späteren Auswilderung. Dies ist bei gesunden Jungvögeln in der Regel allerdings unnötig und es reicht durchaus, die Ästlinge aus dem Gefahrenbereich zu bringen und in der Nähe auf einen Baum oder Strauch zu setzen, wo die Altvögel ihr lautstark vorgetragenes Betteln hören können. Sie werden dort in der Regel weiter versorgt.

Nestlinge können bei Auffinden des Nestes problemlos wieder dort hin gesetzt werden, wenn das Nest intakt ist.

Sogar Adoptionen sind möglich! Nestlinge der gleichen Art und mit dem gleichen Entwicklungsstand lassen sich regelmäßig erfolgreich einer Adoptivbrut unterschieben, der Fütterungstrieb der Altvögel ist während dieser Zeit so stark, dass auch fremde Küken mit versorgt werden! Achten sollte man bei diesen Adoptionen auf die Anzahl der bereits im Nest befindlichen Jungvögel, man sollte einer Amselbrut z.B. mit 5 Küken nicht unbedingt den 6. Jungvogel hinzu setzen. Die Alten könnten mit der Nahrungssuche überfordert sein oder auch das Nest an seine Kapazitätsgrenzen stoßen!

Jungvögel, z.B. Turmfalken

Die Jungfalken waren aus dem Nest an einem Industriebauwerk gefallen. Nach einer Mitteilung durch aufmerksame Mitarbeiter konnten wir sie einfangen und mit einer Leiter der Werksfeuerwehr zu den Eltern in die Brutnische bringen. Die Altvögel hatten schon sehnlichst auf den Nachwuchs gewartet und uns all die Zeit nicht aus den Augen gelassen hatten. Die Jungvögel wurden weiter versorgt, als wäre nichts geschehen! Dies haben wir oft und regelmäßig auch erfolgreich an weiteren Brutplätzen praktiziert. Ein Anfassen der Jungvögel macht entgegen der landläufigen Meinung überhaupt nichts und wird von den Eltern akzeptiert. Die Brutplätze sind in der Regel an Hand der Kotspuren gut zu finden. Bei Nachkontrollen am Brutplatz konnten wir den Erfolg der Rückführungen regelmäßg bestätigen. Diese Rückführungen gelingen sowohl bei Nestlingen, als auch Ästlingen von nahezu allen Greifvogel- und Eulenarten meistens, es wird jedoch empfohlen, dies von fachkundigen Personen durchführen oder zumindest begleiten zu lassen. 



Windkraftanlagen-Opfer: Turmfalke, Sperber, Rohrweihe, Kornweihe, Wanderfalke, Mäusebussard, Waldohreule, Graureiher, Schwäne und Möven...

Windenergieanlagen sind ein großes Problem für Vögel und Fledermäuse in unserer Landschaft. Die unten abgebildeten und streng geschützten Greifvögel sind nur einige Beispiele von Vogelschlagopfern durch die Rotoren der Anlagen in der näheren Umgebung. Zu betonen ist, dass es sich um Zufallsfunde handelt, die wir ohne gezielte Nachsuche unter den Anlagen gefunden haben. Tragisch ist zudem, dass unter Umständen gar kein direkter Kontakt mit den Rotoren erforderlich ist. Vor allem Federmäuse sterben oft durch ein so genanntes Baro-Trauma, ihnen platzen dabei die Lungen durch die starken Luftverwirbelungen mit extremen Druckschwankungen im Umfeld der Rotorblätter. Diese erneuerbare Energie mag im Energiemix der Zukunft eine wichtige Rolle spielen, in vogelartenreichen Lebensräumen hat sie allerdings nichts verloren, auch für zeitweise Abschaltszenarien der Anlagen darf es keine Denkverbote geben!



Gasfackeln

Es kommt durchaus auch zu kurios anmutenden Unfällen von Vögeln, die allerdings durchaus keine Einzelfälle sind. So wurde uns ein junger Wanderfalke überbracht, der offensichtlich auf einem Industriekamin mit Gasfackel auf Beute gewartet hatte. Sobald in den Abgasen bestimmte brennbare Bestandteile überschritten werden, zündet dort ein Funke und fackelt die Gase sicherheitshalber ab. Zumindest für den dort sitzenden Wanderfalken eine trügerische und gefährliche Sicherheitsmaßnahme, die Federfahnen seines Großgefieders brannten bis auf die Federkiele ab, auch das für den Wärmehaushalt maßgebliche Kleingefieder war stark in Mitleidenschaft gezogen, der Gefiederwechsel bis zur Herstellung der Flugfähigkeit brachte dem Falken einen einjährigen Aufenthalt in einer Greifvogelstation ein! 



Verkehrsunfälle, z.B.

Blattzeit, statt Abendessen wurden wir zu diesem armen Kerl gerufen. In der Blattzeit sind die Böcke oft unaufmerksam und ein Auto hat ihn erfasst. Der Autofahrer hat ihn mit gebrochenen Beinen einfach liegen lassen.
Wir mussten ihn schnell erlösen.

Auch Jungtiere auf der Suche nach eigenen geeigneten Revieren fallen dem Straßenverkehr zum Opfer, oft sind Dachse und Jungfüchse hiervon betroffen.

Viele Wildtiere sind nicht in der Lage, Geschwindigkeiten von Fahrzeugen einzuschätzen, auch der Sog, der durch schnelles Fahren ausgelöst wird, kann vor allem von Vögeln nicht kalkuliert werden. Zudem liegen oftmals überfahrene Tiere auf der Straße, die von Aasfressern vor allem in den nahrungsknappen Wintermonaten angeflogen werden. Dadurch kommen auch viele Greifvögel und Eulen zu Tode.



Glasscheiben - Scheibenanflug

Durchscheinende, gegenüberliegende Glasfronten, gläserne Haltestellen oder Reflexionen bei tief stehender Sonne bringen Vögel in Lebensgefahr. Sie sind dann nicht in der Lage, die Scheiben als Hindernisse zu erkennen und kollidieren mit den Scheiben, manchmal kann man sogar den Abdruck des Gefiederstaubs noch auf den Scheiben sehen, schaut man zu Boden, findet man meist das verunglückte Tier. Von in Schwärmen lebenden Vogelarten wie z.B. Staren verunglücken oft gleich mehrere Tiere zeitgleich. Auch Greifvögel sind mmer wieder unter den Opfern, vornehmlich Habichte und Sperber, die auf der Jagd nach Vögeln die Glasscheiben nicht wahrnehmen. Hin und wieder überleben auch Vögel das Anflugtrauma, ist der Aufprall nicht so hart, dass die Knochen brechen, kann eine Nacht in dunkler Box oder Karton ohne Futter oder Wasser evenuell helfen. Der unten abgebildete Sperber überlebte, der Habicht leider nicht! 

Freilaufende Hunde



Greifvogelverfolgung, illegale Haltung

Die Verfolgung von Greifvögeln, egal ob zur privaten Haltung oder Beseitigung eines angeblichen "Schädlings" ist eine Straftat gegen das Bundesnaturschutzgesetz und in den meisten Bundesländern auch Jagdwilderei und damt kein Kavaliersdelikt! Verstöße können mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe geahndet werden.

Oftmals liest man von Tierquälerei und Straftaten gegen den Naturschutz wie z.B. Greifvogelverfolgung in der Zeitung, schüttelt den Kopf und man mag gar nicht glauben, dass es heutzutage so etwas noch gibt. Solche Untaten scheinen meist weit weg von der eigenen, heilen Welt, aber dieser Schein trügt, auch bei uns gibt es diese Fälle!

Und dies auch nicht als Kollateralschäden, die man gewillt ist, in Kauf zu nehmen, wie den Scheibenanflug von Vögeln oder auch die getöteten Greifvögel im Straßenverkehr, sondern hier werden die Greife zum Ziel vollkommen bewusster und durchdacht geplanter Fang-, Abschuss- oder Vergiftungsaktionen, direkt vor unserer eigenen Haustüre!

Jede Form der Nachstellung, etwa durch das Aufstellen von Fallen oder die Tötung von Greifvögeln oder anderer streng geschützter Arten, stellt gemäß § 71 in Verbindung mit den §§ 69 Abs. 2 Nr.1, 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG (in der Fassung vom 29. Juli 2009, in Kraft seit 1. März 2010) eine Straftat dar. Darüber hinaus erfüllt die Tötung eines Wildvogels stets gleichzeitig (tateinheitlich im Sinne des § 52 Abs. 1 StGB) den Straftatbestand des § 17 Nr. 1 Tierschutzgesetz („Tötung eines Wirbeltieres ohne vernünftigen Grund“). Dies gilt für alle Greifvögel und Eulen.

Bei jagdbaren Vogelarten mit ganzjähriger Schonzeit (z.B. Greifvögel, aber keine Eulen) kommt zusätzlich die tateinheitliche Begehung einer Jagdwilderei gemäß § 292 StGB oder Jagdfrevel gemäß § 38 Bundesjagdgesetz in Betracht.

Im Folgenden möchten wir Ihnen einige Fälle von Greifvogelverfolgung aus der näheren Umgebung schildern, in jedem einzelnen Fall wurde natürlich Strafanzeige erstattet:

Auf dem Gelände einer Kleingartenanlage wurden wir auf einen Garten mit Taubenhaltung hingewiesen, wo auch Greifvögel in kleinen Volieren gehalten werden sollten. Eine Überprüfung gemeinsam mit Behördenvertretern ergab, dass dort 2 Mäusebussarde auf einer Fläche von jeweils 2 qm in tierquälerischer Käfighaltung untergebracht waren. Durch die völlig unzureichende Haltung waren die Vögel schwer verletzt, das Gefieder war zerstört, Krallen ausgerissen und Flügelgelenke blutig aufgeschlagen. Sie mussten monatelang in einer Greifvogelstation gepflegt werden bis die Krallen nachgewachsen und das Gefieder durchgemausert war, bevor sie wieder ausgewildert werden konnten. 

Telefonisch wurden wir über einen offensichtlich verletzten Falken auf einem Friedhof in der Innenstadt informiert. Nach recht zeitaufwändiger Suche konnten wir einen männlichen Turmfalken flugunfähig bergen. Auf den ersten Blick bereits fiel auf, dass dem Vogel das komplette Schwunggefieder fehlte. Bei näherer Untersuchung stellte sich heraus, dass der Vogel wohl bewusst durch Abschneiden der Federn flugunfähig gemacht worden war, vermutlich mit dem Ziel einer illegalen Haltung, um ihn an der Flucht zu hindern!

Bei einem Spaziergang fanden wir die Kadaver von mindestens 4 Mäusebussarden inmitten eines kleinen Waldstückes. Da es ungewöhnlich wäre, wenn sich Mäusebussarde an einer bestimmten Örtlichkeit zum Sterben zusammenfinden, schöpften wir den Verdacht, dass hier etwas nicht stimmt. Wir kontaktierten einen Tierarzt zum Röntgen der Kadaver, schnell wurde an Hand der Röntgenbilder klar, dass die Vögel mit Schrot erschossen worden waren. 

Weitere 7 Kadaver von Mäusebussarden wurden in der Nachbarstadt am Rand einer Wiesenfläche gefunden. Sie waren Opfer vergifteter Köder im Gelände geworden, ein Täter konnte nicht ermittelt werden.

Von einem befreundeten Naturschützer wurden wir über den Fund eines jungen Wanderfalken auf dem Balkon eines Mehrfamilienhauses unterrichtet, der Vogel lebte dort in Anbindehaltung mit Antennenkabel! Nach der Bergung des Jungfalken waren wir in die Untersuchung seines Zustandes eingebunden, wobei wir uns zunächst über den blutverschmierten Transportkarton wunderten, weil keine offenen Verletzungen erkennbar waren. Später stellte sich heraus, dass der Falke ein Gemisch aus Blut und Katzenfutter ausgewürgt hatte. Darüber hinaus: Offenbar zum Schutz des Halters vor Verletzungen hatte er dem Greifvogel Schnabelspitze und Krallen massiv gekürzt und abgestumpft, so dass an eine Freilassung mit selbständigem Nahrungserwerb nicht zu denken war.! 

Aus einem Nachbarort erreichte uns der Anruf eines Spaziergängers, dass ein Greifvogel in einer Drahtfalle im Garten eines Taubenzüchters gefangen sei. Wir benachrichtigten die Polizei und verabredeten, uns vor Ort mit den Beamten und dem Zeugen zu treffen. Zunächst war in dem Garten nichts zu sehen, so dass wir das Grundstück aufsuchten und den Eigentümer befragten. Anfangs konnte er sich nicht erklären, was der Zeuge wohl beobachtet hätte, allerdings sprach die Stelle, an der die Falle gestanden haben sollte Bände, deulich waren dort Blutspuren erkennbar. Unter dem Druck einer angekündigten Hausdurchsuchung holte der Mann dann einen frisch getöteten Mäusebussard aus einem Schuppen. Auch hier wurde natürlich ein Strafverfahren eingeleitet.

Wir bitten darum, bei Verdachtsfällen auf Greifvogelverfolgung nicht die Augen zu verschließen und Anzeige zu erstatten, die Polizeibehörden sind verpflichtet, in solchen Fällen den Sachverhalt zu ermitteln!



Schnüre und andere Faserabfälle

Immer wieder sind vor allem Wasservögel zu beobachten, die durch achtlos liegen gelassene oder abgerissene Angelschnüre oder -haken schwer verletzt wurden. Zur Sauberkeit am Angelplatz gehört nicht nur, die Brötchentüte oder leere Flaschen mitzunehmen, genau so wichtig ist es, unbrauchbare Montagen, abgerissene Schnüre oder Angelhaken zu bergen und mitzunehmen. Die sehr reißfesten und nahezu unsichtbaren Kunstfaserschnüre bringen Wildtiere in Lebesgefahr! Oftmals ist die Bergung der verletzten Tiere mit hohem Aufwand verbunden, der unten abgebildete Jungschwan z.B. hatte einen noch beköderten Angelhaken mit 20 m anhängender Schnur verschluckt. Die Angelschnur hatte sich am Gewässerboden verheddert, so dass eine Bergung mit Schlauchboot durch die Feuerwehr veranlasst werden musste.

Der Schwan auf dem Tisch der Tierarztpraxis hatte sich so mit anhängender Angelschnur in einem Weidenbusch verfangen, dass eine Bergung nicht möglich war. Mt einer Astschere wurde der komplette Busch gekappt und der Vogel in einem undurchschaubaren Gewirr von Ästen, Schnur und Federn zum Tierarzt gebracht. Stück für Stück wurden die Äste abgetragen und die tief ins Gewebe eingeschnittenen Schnüre entfernt. Muskeln und Sehnen des Vogels waren allerdings durchtrennt, eine Flugfähigkeit konnte nicht mehr wieder hergestellt werden. Ein weiterer Schwan, der tot geborgen wurde, hatte eine riesige Eiterbeule am Hals, die wir geöffnet haben. Zum Vorschein kam ein in der Speiseröhre steckender Angelhaken.

Die abgebildete Möwe konnte nur noch eingeschläfert werden, die Zunge hatte sie sich bei ihren verzweifelten Befreiungsversuchen nahezu abgeschnitten, die Beine waren ebenfalls eingeschnürt und bereits im Absterben.

Bei dieser Dokumentation handelt es sich lediglich um zufällig und beispielhaft dokumentierte Fälle aus der näheren Umgebung, es ist zu befürchten, dass die Dunkelziffer unbemerkter Fälle hoch ist.

Wenn Angler wirklich den Naturschutz für sich reklamieren möchten, hier stehen ihnen alle Möglichkeiten offen!

 

Eine besonders perfide Form der Sicherung seines Hochsitzes hatte sich ein Jäger ausgedacht! Der in der Nähe eines Uhubrutplatzes stehende Ansitz wurde gelegentlich durch den Uhu-Terzel als Tagesschlafplatz gewählt. Offensichtlich passten dem Jäger die Kotspuren der großen Eule nicht, so dass er den Einflug mit Angelschnur abhängte. Damit die Schnüre möglichst senkrecht herunterhingen, wurden sie mit Schrotbleien beschwert. Beim Anflug von Vögeln bestand nunmehr die hohe Gefahr, dass sich die Schnüre um die Gliedmaßen wickelten! Der Jagdpächter wurde ultimativ aufgefordert, dies umgehend zu entfernen, am nächsten Tag war der Spuk verschwunden!  

Ein Anruf erreichte uns, daß in einem Garten eine Eule sitzt und sich nicht von der Stelle bewegt.
Mit gelben Augen und nicht ganz klein. Gelbe Augen und nicht ganz klein gibt es eigentlich nur die Sumpfohreule, aber in einem Garten....? Wir fuhren hin und da lag er schon. Kurz vor unserem Eintreffen ist der Sperber verstorben.
Er war völlig ausgehungert. Klar, so in Bindfaden gewickelt, konnte er keine Beute machen...bitte niemals Kunstfasern, Fäden, Garn oder Angelschnüre draußen "entsorgen"!

2 hoffnungslos miteinander verstrickte Mauersegler wurden uns von einem innerstädtischen Brutplatz am Boden liegend gemeldet, sie hatten sich so fest miteinander verknotet, dass eine Schere zur Befreiung erforderlich war!



Viehtränken und Regentonnen


Kaminabstürze/Schornsteinbruten

Eulen wie z.B. Steinkäuze und Waldkäuze verschlafen gelegentlich den Tag auf Kaminen, auf der Suche nach einem dunklen Rückzugsort stürzen sie nicht selten in das Kaminrohr und werden dann mit Glück in der Feuerstelle gefunden. Wie verzweifelt der Waldkauz nach einem Ausweg gesucht hat ist deutlich am Klebeband der Glasscheibe an der Feuerung zu sehen. Bei der Bergung floh er vor uns in den Kaminschacht, wo er nur mühsam gegriffen und befreit werden konnte. Er war völlig verrußt, wie die abgebildeten Hände zeigen. Behutsam musste sein Gefieder mehrfach gereinigt werden, bevor er nach energiereicher Fütterung wieder freigesetzt werden konnte. Vor allem Dohlen versuchen sogar oft, ein Nest in Kaminen zu bauen, sie werfen so lange Ästchen in den Schornstein, bis sich welche dort verkeilen und eine feste Grundlage für ein Nest entsteht. Bei einem beeinträchtigten Abzug der Rauchgase im Schornstein kann es dann zu gefährlichen Situationen kommen, vom Kaminbrand bis hin zu Kohlenmonoxidvergiftungen der Hausbewohner! Abhilfe kann hier ein Dohlengitter an der Kaminöffnung schaffen, kontaktieren sie am Besten ihren Schornsteinfeger, der hilft in der Regel gerne oder gibt zumindest Auskünfte bezüglich entsprechender Fachfirmen.


Fallen

Fallen werden in der Regel bewusst eingesetzt, um bestimmte Zieltierarten zu fangen und in der Regel auch zu töten. So zum Beispiel bei der abgebildeten Elsternfalle oder auch den so genannten "Nordischen Krähenfängen" oder Leiterfallen, mit denen oft auch Greifvögel gefangen werden. Durch die Gittersprossen können die Vögel in die Falle einspringen, diese aber mit ausgebreiteten Fügeln nicht mehr verlassen. Mit Habichtfangkörben wird leider auch oft Greifvögeln illegal nachgestellt. In scharf gestelltem Zustand sind die Fangbügel auseinander geklappt und die Draht-Köderbox unter der Falle mit einem Köder - meist einer Taube - bestückt. Leider ist der Erwerb und der Besitz dieser Fallen nicht verboten, lediglich das Nachstellen mit scharf gestellter Falle ist verboten.

Allerdings werden auch Fallen für Nager oft leichtfertig offen im Garten aufgestellt und auch mit Ködern bestückt, die nicht nur Nager interessieren. So ist der Speck als Köder durchaus auch für Vögel interessant und wenn sie nur nach den im Sommer aufsitzenden Fliegen picken. Nutella als Geheimtippköder für Ratten und Mäuse interessiert auch Eichhörnchen, Garten- oder Siebenschläfer, die als Kollateralschäden hierbei sterben! Fallen dürfen nur in Fangbunkern aufgestellt werden, die von Nicht-Zielorganismen nicht erreicht werden können!



Öl



Wilderei

Wilderei findet meistens versteckt und heimlich, oft sogar recht professionell statt. Die abgebildeten Personen schossen mit einer Pistole auf Wasservögel, das Rehkitz wurde von Unbekannten einfach erschossen und liegen gelassen!

 



Landwirtschaft

Bedingt durch immer intensivere Düngung werden Wiesen und Wegränder sogar in Natur- und Landschaftsschutzgebieten mehrmals im Jahr gemäht, die unten gezeigten Fotos entstanden Mitte Mai bis Anfang Juni, also in der Haupt-Brut- bzw. Setzzeit der meisten Wildtiere. Die Nester von Grauammer oder Feldlerche findet man in solchen ausgemähten Bereichen nicht mehr, sie sind zu klein und die Jungvögel werden sehr schnell z.B. von Rabenvögeln gefressen. Was man allerdings sehr gut findet sind größere Wildtiere wie Rehkitze. Bei den heutzutage sehr schnell fahrenden Mähern - Zeit ist Geld, Geiz ist geil - haben auch größere Kitze keine Chance mehr, zu entkommen. Vor allem, wenn die Tiere noch leben ergeben sich grausige Situationen, bis endlich jemand kommt, um das angefahrene Tier zu erlösen. Eine Suche nach Kitzen vor dem Mähen findet leider oft nicht statt, immer wieder hört man von den Landwirten, es fehle die Zeit oder ein Lohnunternehmer führe die Arbeiten durch und man habe keinen Einfluss auf die Mähtermine!

Auch das Mähen von innen nach außen hat sich trotz aller Appelle von Naturschützern, Jägern und auch den Landwirtschaftskammern leider kaum durchgesetzt. Hierbei werden bereits mobile Jungtiere aus der Ackerfläche gedrängt und nicht in der Ackermitte zusammen getrieben, wo sie dann mit dem letzten Mähgang erwischt werden. Ein Mindestmaß an gutem Willen für unsere Wildtiere könnte in vielen Fällen solch grausame Bilder verhindern!

Flurbereinigung findet oft ebenfalls als Lobbyveranstaltung für die Landwirtschaft statt, damit immer größere, schwerere und schnellere Fahrzeuge die Ackerflächen erreichen. Stolz verkündet dann die Flurbereinigungsbehörde - hier das NRW-Umweltministerium - die erbrachten Leistungen, gefördert von der EU: Es werden wildkrautreiche Sand- und Kiesfeldwege beseitigt, verbreitert und asphaltiert. Keine Pfütze in einer Fahrzeugspur mehr, in der früher die Kreuz- und Wechselkröten laichten oder Wildtiere trinken können, kein Lehm mehr für die Schwalben zum Nestbau, keine Sandbäder zur Gefiederpflege der Vögel sind mehr möglich, die Feldraine sind auf lächerliche 30 - 40 cm geschrumpft. Stück für Stück bricht aus dem Mosaik eines artenreichen Lebensraumes heraus, man rühmt sich dessen mit Tamtam, obwohl man weiß, dass hier noch Steinschmätzer, Grauammer, Schwarzkehlchen und Wiesenpieper brüten, deren Aussterben man andernorts immer beklagt! Mittlerweile rasen die Fahrzeuge dort derart, dass es selbst in der Feldflur überfahrene Rehe, Dachse und Füchse gibt.

Feldraine werden oft bis fast an den Wegrand zur Produktionssteigerung unter den Pflug genommen, obwohl diese sowohl für den Naturschutz, als auch den Erhalt der Wege unerlässlich sind. Hier könnten noch Ackerwildkräuter wachsen, Feldlerchen letzte Brutplätze finden oder Feldhasen gefahrlos ihren Nachwuchs setzen, in den oft nurmehr verbleibenden 30-cm-Streifen ist allerdings auch das nicht mehr möglich, ohne die Fluchtdistanzen zu unterschreiten. Für den Schutz der Wildtiere sind diese Biotope damit verloren. Ganze Landstriche werden werden unter Gift gesetzt, wo früher zur Saat lediglich gepflügt oder gegrubbert wurde, wird heute erst prophylaktisch Gift eingesetzt, um das Aufkommen der Begleitvegetation rigoros bereits im Vorfeld zu verhindern.



Forstwirtschaft

Mitte April 2016 wurden bei uns noch Forstflächen mit brachialer Gewalt bearbeitet, entgegen den Vorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes, das in der Zeit zwischen dem 01.03. und 30.09. eines jeden Jahres den Schutz der Vogelbrut einfordert. Leider gibt es hier für die Forstwirtschaft großzügige Ausnahmeregelungen, so dass das Naturschutzgesetz bezüglich dieses Zeitraumes hier nicht mehr greift, sondern die Vorschriften zum Artenschutz herangezogen werden müssen.   Mehrfach wurde der Eigentümer der Forstflächen auf einen Sperberbrutplatz und einen bebrüteten Mäusebussardhorst in der Schonung aufmerksam gemacht. Er sagte wiederholt zu die Arbeiten einzustellen, hielt diese Zusage jedoch nicht ein. Der Baum mit dem seit mehreren Jahren genutzten Sperbernest war nach der Durchforstung nicht mehr aufzufinden, die Mäusebussardbrut wurde abgebrochen, der Horst wurde von den Altvögeln verlassen. Auch hier wurde Anzeige erstattet, ein Verfahren wurde jedoch nicht eröffnet, weil wir keine Beweise wie z.B. Fotos der Brutplätze bzw. Brutaktivitäten vorlegen konnten. Das paradoxe daran: Hätten wir Fotos vorlegen können, hätten wir uns selbst einer Strafverfolgung ausgesetzt, weil wir dazu an die Nester hätten klettern müssen!!!



Freizeitdruck

Um nicht falsch verstanden zu werden, Freizeitbeschäftigung, Hobbies und Naherholung gehören in unserer heutigen Leistungsgesellschaft zum Wohlfühlen, zur geistigen und körperlichen Fitness einfach dazu! Wir möchten unter dieser Rubrik einfach nur an Hand einiger Beispiele verdeutlichen, dass auch die Freizeitgestaltung nicht unreflektiert stattfinden sollte und auch die Rechte anderer - und damit ist auch ausdücklich die uns umgebende Natur gemeint - gewahrt werden müssen. Auch wenn es sich bei den aufgeführten Beispielen oft um die immer beschworenen Einzelfälle handelt, summieren sich diese doch in der Gesamtheit zu einer hohen Belastung für Natur und Tierwelt.


Mountain-Biking


Moto-Cross

gibt es als beliebte Sportart in dafür zugelassenen Anlagen und als Naturfrevel in der freien Landschaft, nicht nur Spaziergänger werden gestört. Nachweislich wurden in der hiesigen Region mehrere Bodenbruten des Uhus dadurch zerstört. Traurigerweise wurden auch die unterirdischen Niströhren von Bienenfressern durch Überfahren zum Einsturz gebracht, seit diesem Zeitpunkt ist der Bienenfresser als Brutvogel nicht mehr festgestellt worden.   


Eine Ballonfahrt...

Bei der Überwachung der Uhubrutplätze in der Region fiel uns ein Heißluftballon auf, der bedrohlich nahe am Himmel über dem Nistplatz in einer Kiesgrube schwebte. Der Ballon senkte sich immer mehr, bis auf wenige Meter über dem Grund der Grube, das Uhu-Weibchen verließ in Panik das Nest mit den eben erst geschlüpften 4 Jungvögeln. Lautstark wurde dem Ballonfahrer deutlich gemacht zu verschwinden, danach hieß es warten, ob der Uhu zum Nest zurückkehrte. Von den vorher 4 Jungen konnten aber lediglich noch 3 durch das Fernglas entdeckt werden. Der fehlende Jungvogel war offensichtlich bei der hektischen Flucht des Altvogels über den Nistmuldenrand geschleudert worden und die 50 m hohe Steilböschung hruntergerollt, wo er bereits unterkühlt mit letzten Lebenszeichen geborgen wurde. Unter dem Pullover wurde der kleine Uhu gewärmt und einer Wildtierstation zugeführt. Dort wurde er auf einer Heizmatte untergebracht und auf Verletzungen hin untersucht. Mit Ausnahme der Unterkühlung hatte er offensichtlich keine schlimmen Verletzungen erlitten. Nach 4 Tagen Betreuung und reichhaltiger Fütterung hatte der Jungvogel sich so weit erholt, dass eine Rückführung zum Brutplatz durchgeführt wurde. Hierzu wurde eine kurze Abwesenheit des Altvogels von der Brut genutzt, die wiederum veränderte Jungvogelzahl wurde ohne feststellbare Reaktion des Altvogels akzeptiert. Anlässlich der Beringung der Jungvögel sahen wir das ehemals kleine Federknäuel nochmals wieder, er hatte sich zu einem kräftigen Junguhu entwickelt.  

 

Kanu-Event

In den Frühjahrs- und Sommermonaten - also in der Brutzeit der Wasservögel - werden an vielen Gewässern so genannte Kanu-Event-Fahrten als Freizeitveranstaltung zu Betriebsausflügen o.ä. angeboten. läuft dies gesittet, ruhig und in Respekt vor der heimischen Natur ab, kann man dies tolerieren und sogar zur Informationsvermittlung zum Leben auf oder im Wasser nutzen. Finden solche Veranstaltungen allerdings wie bei uns in der Region im Naturschutzgebiet ohne Guide und mit jeder Menge Alkohol an Bord statt, verlässt auch ein stressgewöhnter Wasservogel seine Brut, von der Stockente über Teich- und Blässhuhn bis hin zum Eisvogel konnten Brutaufgaben nachgewiesen werden. Zumindest in Schutzgebieten haben solche Aktivitäten nichts verloren!  

Angeln

Freizeitfischerei und Jagd reklamieren oftmals die Deutungshoheit für den Naturschutz für sich, müssen sie doch Prüfungen für den Erwerb des Fischereischeines bzw. Jagdscheines ablegen, die auch einen Teil an Naturschutzfragen umfassen. Allerdings gibt es offenbar überall dort, wo Menschen Aktivitäten entfalten, auch Auswüchse, die es abzustellen gilt.